Kampf den Krankenhaus-Risiken
Medizinprofessor Hans-Martin Seipp über Hygienedefizite in Kliniken und das europaweit erste Studium "Krankenhaushygiene" in Gießen
Express: In den vergangenen Jahren gab es mehrere Hygiene-Skandale in Krankenhäusern, beispielsweise im Klinikum Fulda. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht von bis zu 30.000 Todesfällen durch Krankenhauskeime pro Jahr aus. Was läuft da schief?
Seipp: Diese Diskussion um die Toten kann ich eigentlich gar nicht mehr hören. Diese Zahlen sind geschätzt und nicht belegbar, auch weil wir keine großen Erhebungen diesbezüglich haben. Zwar sieht die Presse zunächst die Toten, doch viel häufiger sind die z. T. schweren Folgeerkrankungen. Dabei gibt es mehrere Problemlagen: Acht Klinikschließungen in Bayern und fünf in Hessen resultierten aus Problemen mit der Aufbereitung von Medizinprodukten, also von Instrumenten, häufig aus Edelstahl, die bei Operationen verwendet werden. Der Hintergrund: Beim Reinigungsprozess der Instrumente werden Reiniger mit einer hohen Aktivität eingesetzt, denen die Herstellerfirmen Silikate beigefügt haben. Diese Silikate sind im Prinzip dünne Glasauflagerungen, die sich dann auf den Instrumenten ablagern und sorgen dann für "braune Verfärbungen". Von Industrieseite wurde lange behauptet, das wäre völlig unproblematisch und harmlos. Denn zunächst kann man bei braunen Verfärbungen nicht sofort unterscheiden sind es Blutreste, Rost oder Silikate. Aber auch diese so genannten "sterilen Partikel" können zu Verwachsungen, beispielsweise im Bauchraum, führen.
Express: Was bedeutet das?
Seipp: Bei einer Darm-Operation in den Körper gelangte sterile Partikel lagern sich auf dem Darm auf und bei der Abwehrreaktion des Darmes wird eine klebrige Flüssigkeit abgegeben, so dass die Darmschlingen untereinander verwachsen können. Was dazu führen kann, dass bei der Verdauung Schmerzen auftreten und der Patient z. T. erheblich leidet. Diese Partikel-bedingten Verwachsungen müssen möglicherweise in weiteren Operationen entfernt werden.
Express: Das andere große Problem im Krankenhaus sind die multiresistenten Erreger: Bakterien die gegen mehrere verschiedene Antibiotika unempfindlich sind.
Seipp: Ja. Diese multiresistenten Keime haben erheblich zugenommen. In den 1940er, 1950er Jahren hatte die Medizin sehr große Hoffnungen in Antibiotika und man hoffte damit zukünftig die Bakterieninfektionen zu beherrschen. Dann hat sich aber gezeigt: Bakterien sind aufgrund ihrer schnellen Generationszeiten von ca. 20 Minuten in der Lage, Resistenzen gegen die Antibiotika zu entwickeln.
Was zur Folge hatte, dass wir bei Wundinfektionserregern und inzwischen auch bei Darmkeimen die Situation haben, dass in absehbarer Zeit gegen nahezu alle Antibiotika Resistenzen bestehen werden.
Express: Wie geht man dagegen an?
Seipp: Man muss die Ursachen bekämpfen, zurück zur traditionellen Prävention: durch Hygiene vermeiden, dass Keime überhaupt in Wunden kommen.
Weil man weltweit die große Hoffnung auf Antibiotika zur Therapie von Infektionen hatte, war die Hygiene mit der Aufgabe zur Infektionsvermeidung nicht mehr so wichtig. Die Bedeutung den Eintrag von Bakterien in Wunden zu unterbinden sank, und der Fokus lag auf der Therapie von erfolgten Infektionen. Die Prävention trat hinter die Diagnostik und Therapie zurück, da zunächst gefragt wurde, "welches Antibiotikum gebe ich am besten?"
Es gab natürlich auch in der Pharmaindustrie diese großen Hoffnungen und ein erhebliches Interesse, jeweils neue wirksamere Antibiotika zu entwickeln. Aber wir haben in den letzten Jahren sehen müssen, dass neue Antibiotika zunehmend toxisch waren und viele Nebenwirkungen hatten. Was sich in Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Allergien zeigte.
Jetzt ist weltweit erkannt worden, dass es nicht so weitergehen kann und die Prävention, im Sinne einer umfassenden, am Gesamtrisiko des Patienten orienierten Hygiene,wieder einen wesentlich höheren Stellenwert bekommen muss.
Express: Da setzen Sie mit dem europaweit ersten Studiengang "Krankenhaushygiene" an?
Seipp: Die Absolventen unseres Studiengangs sollen mit einem breiten präventivmedizinischen Wissen und zusätzlich speziellen Hygienekenntnissen Ärzte, Pfleger, Krankenhaus-Geschäftsführung, etc. in Hygienefragen umfassend beraten und Fortbildungsveranstaltungen durchführen. Sie können Arbeitsabläufe im OP prüfen, bewerten und optimieren, Untersuchungen durchzuführen oder Analysen zu Risiken geben. Ein ganz wesentlicher Punkt in der Ausbildung ist zudem die Kommunikation. Sie müssen genauso in der Lage sein, kompetent mit dem Geschäftsführer einer Klinik zu sprechen wie Reinigungskräften hygienerelevante Aspekte zu vermitteln oder Probleme mit einem Chefarzt analysieren können.
Interview: Georg Kronenberg
Eva Croissant
Allein ihr Nachname schreit lauthals "Hallo Welt, hier bin ich!": Die 20-jährige Eva Croissant aus Karlsruhe weiss genau was sie will. "Hier stimmt einfach alles! Durchdachte, charmante Popmusik, gespielt von einer witzigen, sympathischen Sängerin, mit dem nötigen Handwerkszeug und der richtigen Einstellung." (Radio "die neue welle"). Mit verträumten Melodien, ehrlichen Texten und einer ausdrucksstarken Stimme erinnert die Singer/Songwriterin an Maria Mena und Amy McDonald, ihre deutschen Songs auch an Silbermond oder Philipp Poisel ...

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